Endometriose (schwer)
Endometriose – das Chamäleon der gynäkologischen Erkrankungen
Fast jede Frau hat Unterleibsschmerzen während ihrer Menstruation, manche davon haben während oder sogar außerhalb ihrer Periode sehr starke Schmerzen. Einige Frauen denken, diese starken Schmerzen seien völlig normal oder ihre Gynäkologen ziehen die falschen Schlüsse. Deshalb dauert es im Durchschnitt sieben Jahre, bis Endometriose diagnostiziert wird. Endometriose hat viele Gesichter. Die Symptome sind in ihrer Intensität und Art sehr unterschiedlich, daher bemerken viele Frauen ihre Endometriose gar nicht, während in seltenen Fällen auch Fibromyalgie und das Fatigue-Syndrom zum Alltag gehören. Häufige Symptome sind starke Menstruationsschmerzen, Krämpfe, Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs sowie Diarrhöe und Erbrechen.
Die chronische Erkrankung ist bisher nicht heilbar und jährlich erkranken in Deutschland ca. 30.000 bis 40.000 Frauen an Endometriose. Die Prävalenz liegt zwischen drei und 30 % aller Frauen im gebärfähigen Alter. Bei dieser Erkrankung wächst zu Beginn eines Menstruationszyklus
Gebärmutterschleimhaut ähnliches Gewebe auf dem Bauchfell heran und wird zum Ende des Zyklus wieder abgestoßen. Die befallenen Orte nennt man Endometriose-Herde. Das abgestoßene Gewebe kann im Bauchraum nicht einfach abfließen wie die Regelblutung. Bei Frauen, die eine symptomlose Endometriose aufweisen, wird dieses Gewebe vom Körper unbemerkt wieder entfernt. Wenn das Gewebe nicht abgebaut wird, bilden sich Zysten, Vernarbungen und Entzündungen. Gebärmutterwand, Eierstöcke und Eileiter, Darmschleimhaut, Blase, Schamlippen, Scheide und selbst die Lunge können in manchen Fällen betroffen sein. Eine weitere Folge ist Sterilität.
Forscher und Mediziner tappen, was die Ursachen von Endometriose angeht, bis heute im __________. Es gibt unterschiedliche Erklärungsmodelle. Im Jahr 1921 stellte Sampson die Transplantations-theorie vor. Er vermutete eine rückwärtsverlaufende Menstruation über die Eileiter in den Bauchraum als Auslöser für Endometriose. Meyer entwickelte 1919 die Metaplasie-Theorie und ging davon aus, dass Endometriose-Zellen aus Stammzellen aus dem Bauchraum stammen und durch einen Anreiz von weiblichen Hormonen heranwachsen. Das Archimetrakonzept von Leyer-decker aus dem Jahr 1998 besagt, dass sich diese Erkrankung aus Zellen der unteren Gebärmutter-schicht entwickelt. Heute forscht man an hormonellen, immunologischen und genetischen Faktoren.
Chirurgische Eingriffe können Endometriose-Herde den Garaus machen. Durch eine diagnostische Laparoskopie werden eine Kamera und medizinische Instrumente in den Bauchraum eingeführt, um die Herde zu entfernen. Eine hormonbedingte Endometriose kann auch durch Hormone wie z.B. Gelbkörperhormone gelindert werden. Neben der gezielten Bekämpfung von Endometriose-Herden können Schmerztherapien zum Einsatz kommen. Die Sensitivierung von freien Nervenendigungen um Endometriose-Herde können sprichwörtlich schlafende Hunde wecken. Ruhende Schmerznerven werden dauerhaft stimuliert, wodurch die Schmerzüberempfindlichkeit erhöht wird und chronische Schmerzen zu Beckenbodenverspannungen führen. Diese wiederum führen zu einer Schonhaltung, welche einen Teufelskreis von weiteren Muskelverspannungen auslösen. Medikamente wie Ibuprofen und Voltaren werden am häufigsten verschrieben, jedoch ist die Effektivität dieser Schmerzmittel wissenschaftlich nicht belegt. Nicht medikamentöse Schmerztherapien wie Akupunktur, TCM, TENS und Entspannungstherapien bieten eine Alternative. TENS ist eine elektromedizinische Reizstromtherapie und kann Endometriose-bedingte Schmerzen oft lindern. Dabei werden über dem schmerzhaften Körperbereich Elektroden auf der Haut angebracht. Durch ein batteriebetriebenes Gerät werden elektrische Ströme mit geringer Intensität erzeugt, sogenannte Rechteckimpulse. Diese reizen die unter der Haut liegenden afferenten Nerven. Zeitgleich sollen auch die efferenten Nerven angeregt werden, wodurch die Endorphinfreisetzung gesteigert werden soll. Sofern es sich um akute Schmerzen handelt, werden niedrige Spannungen und Frequenzen um die 100 Hz verwendet. Dabei verspürt man ein leichtes Kribbeln. Bei chronischen Schmerzen werden höhere Spannungen mit kleinen Frequenzen empfohlen, die stärkere Stromimpulse erzeugen.